Verhandlung über einen Handelsvertrag

Incoterms 2020: kurz und praxisnah

Die Incoterms sagen, wo Kosten und Gefahr den Besitzer wechseln. Eine falsche Wahl beschädigt den Vertrag von Anfang an.

Außenhandel und Transit 3 Min. Lesezeit

Die Incoterms sind standardisierte Lieferklauseln, die festlegen, an welchem Punkt Kosten und Gefahr zwischen Käufer und Verkäufer übergehen. Sie werden von der Internationalen Handelskammer (ICC) herausgegeben; die aktuelle Fassung ist Incoterms 2020.

Die Incoterms regeln weder das Eigentum noch die Zahlungsbedingungen. Sie beantworten nur zwei Fragen: Wer trägt die Kosten, und wo geht die Gefahr über?

Für alle Beförderungsarten verwendbar

Alle Beförderungsarten
EXWLieferung ab Werk des Verkäufers; Gefahr und Kosten von Anfang an beim Käufer
FCALieferung an den Frachtführer am benannten Ort
CPTBeförderung bis zum Bestimmungsort beim Verkäufer, Gefahr geht bei Übergabe über
CIPCPT zuzüglich Versicherung durch den Verkäufer
DAPLieferung am Bestimmungsort auf dem Beförderungsmittel
DPULieferung am Bestimmungsort nach dem Entladen
DDPVerzollte Lieferung am Bestimmungsort; weitestgehende Pflichten des Verkäufers

Nur für See- und Binnenschifffahrt

Seetransporte
FASLieferung längsseits Schiff
FOBLieferung an Bord; die Gefahr geht auf dem Schiff über
CFRFracht beim Verkäufer, Gefahr geht bei der Verladung über
CIFCFR zuzüglich Versicherung durch den Verkäufer

Das Verhältnis zum Zolllager

Bei einer Ladung, die in das Zolllager gelangt, bestimmt die Lieferklausel, welche Kosten wem zufallen: Entladung, Beförderung, Versicherung und Zollkosten werden danach aufgeteilt.

Bei einer CIF-Lieferung etwa liegen Fracht und Versicherung beim Verkäufer; Einfuhrverzollung und Zolllagerkosten trägt jedoch der Käufer. Schreiben Sie das im Vertrag eindeutig fest.

Der häufigste Fehler

Die dem Seetransport eigenen Klauseln (FOB, CIF) bei Containertransporten zu verwenden. Da der Container am Hafen im Terminal übergeben wird, ist der Punkt des Gefahrübergangs in der Praxis mit FCA/CIP zutreffender bestimmt.

Der zweithäufigste Fehler besteht darin, bei einem DDP-Verkauf die Abgaben- und Konformitätspflichten im Bestimmungsland zu unterschätzen.

Häufig gestellte Fragen

Fragen zu dieser Seite

Bestimmen die Incoterms das Eigentum?

Nein. Sie bestimmen nur den Übergang von Kosten und Gefahr; das Eigentum wird im Vertrag geregelt.

Welche Klausel ist für den Käufer am vorteilhaftesten?

Das hängt vom Fall ab. DDP belastet den Käufer am wenigsten, schlägt sich aber im Preis nieder; EXW wirkt günstig, doch der gesamte Ablauf und die Gefahr liegen beim Käufer.

Können die Incoterms 2010 noch verwendet werden?

Wenn die Parteien im Vertrag festhalten, welche Fassung sie anwenden, ist das möglich. Geben Sie die Fassung ausdrücklich an, damit keine Missverständnisse entstehen.

Was passiert, wenn neben der Klausel kein benannter Ort steht?

Ohne benannten Ort bleibt strittig, wo die Lieferung abgeschlossen ist; jede Incoterms-Regel wird als "Klausel + benannter Ort + Fassung" geschrieben. "FCA" allein sagt nichts aus, "FCA Dörtyol, Incoterms 2020" schon. Den Ort so eng wie möglich fassen: Adresse des Betriebs oder des Lagers statt nur der Stadt.

Wie wird die Klausel formuliert, wenn im Zolllager übergeben wird?

Das Lager wird als benannter Ort der Klausel eingetragen; dort ist die Lieferung abgeschlossen, dort wechseln Kosten und Gefahr. Lageradresse, der zollrechtliche Status der Ware und die Frage, wer die Anmeldung abgibt, gehören zusätzlich in den Vertrag, denn Incoterms regelt das Zollverfahren nicht. Im Zweifel vom Zollagenten bestätigen lassen.

Legt Incoterms fest, welche Partei die Zollanmeldung abgibt?

Ja; jede Klausel bestimmt, wer die Ausfuhr- und wer die Einfuhrformalitäten trägt. Am deutlichsten wird der Unterschied an den Randklauseln: Bei EXW liegt die Ausfuhrseite beim Käufer, bei DDP die Einfuhrseite beim Verkäufer. Prüfen Sie vor Vertragsschluss, ob die verpflichtete Partei im betreffenden Land überhaupt anmelden kann.

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