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Messung der Blechdicke mit einem Mikrometer

Blechdicken- und Maßtoleranzen

Ein Blech mit 1,20 mm ist nicht immer 1,20 mm. Die Toleranzen stehen in der Norm; wer sie nicht kennt, verliert je Tonne Geld.

Stahlprodukt-Leitfaden 2 Min. Lesezeit

Der häufigste Streit bei Blechbestellungen: die Rechnung ist nach theoretischem Gewicht ausgestellt, auf der Waage wiegt das Material weniger. Meist steckt dahinter kein Trick, sondern Toleranz.

Walzen ist ohne Maßabweichung nicht möglich. Die Grenzen dieser Abweichung sind in den Normen festgelegt; verweist die Bestellung nicht darauf, erwarten beide Seiten etwas anderes.

Wo es Toleranzen gibt

Toleranzarten beim Blech
DickeZulässige Abweichung von der Nenndicke — wirkt direkt auf das Gewicht
BreiteAbweichung durch das Besäumen der Kanten
LängeSchnittzugabe bei zugeschnittenen Tafeln
EbenheitAbweichung der Oberfläche von der Ebene (Welligkeit)
SäbelformAbweichung der Längskante von der Geraden

Theoretisches Gewicht und warum es nicht passt

Das theoretische Gewicht wird aus den Nennmaßen und der Dichte des Stahls berechnet. Das tatsächliche Gewicht ergibt sich aus der realen Dicke nach dem Walzen. Liegt die Dicke unter dem Nennmaß, ergeben sich aus demselben Quadratmeter weniger Kilogramm.

Der Vertrag muss deshalb die Verkaufsgrundlage nennen: theoretisches Gewicht oder Wiegung? Beides ist üblich, die Vermischung erzeugt die Differenz. Die Gewichtsberechnung selbst haben wir in einem eigenen Beitrag erklärt.

Was die Normen sagen

Die Toleranzgrenzen für warmgewalzte Flacherzeugnisse und für kaltgewalztes Blech sind in den einschlägigen EN-Normen festgelegt. Sie ändern sich mit Dicke und Breite; eine engere Toleranz ist ausdrücklich als Bestellbedingung anzugeben.

Bei verzinkten Erzeugnissen kommt die Zinkauflage hinzu: je höher die Auflage, desto höher das Gesamtgewicht. Die Auflageklassen haben wir gesondert behandelt.

Was in die Bestellung gehört

  • Nennmaße (Dicke × Breite × Länge) und Güte
  • Toleranzklasse oder die anzuwendende Norm
  • Ob nach theoretischem Gewicht oder nach Wiegung verkauft wird
  • Ebenheits- und Kantenanforderung, gegebenenfalls engere Toleranz
  • Oberflächenzustand (geölt oder trocken, zulässige Kratzer) und Verpackung

Kontrolle bei der Anlieferung

Die Dicke an mehreren Stellen mit einem Mikrometer messen, verschiedene Stellen des Coils prüfen und den Wiegeschein aufbewahren — einfach, aber wirksam.

Bei Ware im Zolllager kann die Prüfung vor der Entnahme erfolgen. Wird eine Abweichung festgestellt, gehört sie ins Protokoll; ein späterer mündlicher Einwand zählt nicht.

Häufig gestellte Fragen

Fragen zu dieser Seite

Ist Material mit Untermaß mangelhaft?

Nicht, wenn es innerhalb der in der Norm festgelegten Toleranz liegt. Ein Mangel ist die Abweichung außerhalb der Toleranz. Deshalb sollten Norm und Toleranzklasse in der Bestellung stehen.

Wie groß ist die Differenz zwischen theoretischem Gewicht und Wiegung?

Eine feste Quote wäre irreführend: sie hängt von Dicke, Breite und der Richtung der Abweichung ab. Wichtig ist zu wissen, auf welcher Grundlage gekauft wurde, und Angebote auf dieselbe Grundlage umzurechnen.

Kostet eine engere Toleranz mehr?

In der Regel ja. Sie verlangt eine engere Prozesskontrolle und manchmal einen zusätzlichen Arbeitsgang, was Preis und Lieferzeit beeinflussen kann. Für unkritische Anwendungen genügt die Normaltoleranz.

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