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Wird eine Zollanmeldung in der Türkei elektronisch registriert, durchläuft sie im Zollsystem eine Risikoanalyse und wird einem „Kanal“ zugewiesen. Der Kanal bestimmt, welche Kontrolle für diese Anmeldung gilt: Werden nur die Unterlagen geprüft, wird die Ware auch körperlich beschaut, oder wird die Anmeldung ohne Kontrolle angenommen?
In der Praxis gibt es vier Farben: Rot, Gelb, Grün und Blau. Der Anmelder kann die Farbe nicht wählen; eine vollständige Akte beschleunigt aber die Abfertigung in jedem Kanal und verkürzt die Zeit im roten Kanal.
Die vier Kanäle im Überblick
| Roter Kanal | Dokumentenprüfung und körperliche Beschau der Ware |
|---|---|
| Gelber Kanal | Dokumentenprüfung; die Ware wird nicht beschaut |
| Grüner Kanal | Abfertigung ohne Dokumentenprüfung und Beschau |
| Blauer Kanal | Für Inhaber eines Status wie dem des zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten; Abfertigung ohne Dokumentenprüfung und Beschau, die Kontrolle erfolgt nachträglich |
Ein zugewiesener Kanal kann sich noch ändern. In Rundschreiben des Handelsministeriums heißt es, dass eine Anmeldung aufgrund der lokalen Risikoanalyse der Zollstelle, bei der sie registriert wurde, von Amts wegen oder auf Antrag des Anmelders in den roten Kanal geleitet werden kann.
Roter Kanal: Dokumentenprüfung und Beschau
Im roten Kanal prüft der Zollbeamte zunächst die Anmeldung und ihre Unterlagen und vergleicht dann die Ware selbst mit den Angaben: Art, Menge, Gewicht, Tarifposition und bei Bedarf den Ursprung. Liegt die Ware in einem Zolllager, findet die Beschau in der Regel dort statt.
Das Öffnen des Containers, das Entladen und Zählen der Packstücke und die Probenahme erfordern Umschlag und Behandlung. Wartet die Ladung in einer überdachten, geordneten Halle, geht das schneller, und die Ware ist nicht wie auf einer Freifläche der Witterung ausgesetzt. Bleibt die Ware nach der Beschau unter Zollaufsicht, wird sie erneut verplombt; diesen Schritt beschreiben wir im Beitrag über Zollverschluss und Überwachung des Zolllagers.
Mit einer Bewilligung zur Abfertigung vor Ankunft kann die Anmeldung registriert werden, bevor die Ware eintrifft. Nach dem Leitfaden des Ministeriums fällt Ware, deren Anmeldung nach den Kriterien des roten Kanals zur Beschau bestimmt wird, nicht unter diese Bewilligung; die Beschau erfolgt bei Ankunft auf normalem Weg. Berücksichtigen Sie das bei der Planung von Sendungen, die voraussichtlich rot laufen.
Gelber Kanal: nur Dokumentenprüfung
Im gelben Kanal wird die Ware nicht geöffnet; der Beamte prüft die Anmeldung und ihre Unterlagen. Auch der Leitfaden des Handelsministeriums zur Abfertigung vor Ankunft beschreibt, dass die Kontrolle im gelben Kanal anhand der Unterlagen erfolgt und die Abgaben nach positivem Abschluss zahlbar werden.
Damit die Dokumentenprüfung nicht ins Stocken gerät, muss alles bereitliegen, was die Anmeldung braucht: Rechnung, Beförderungspapier (Konnossement oder CMR), Ursprungs- und Warenverkehrsbescheinigungen sowie je nach Produkt eine TAREKS- oder TPS-Nummer und ein Analysebericht. Ein einziges fehlendes Dokument kann aus wenigen Stunden im gelben Kanal mehrere Tage machen.
Grüner und blauer Kanal: gar keine Kontrolle?
Im grünen Kanal wird die Anmeldung ohne Dokumentenprüfung und Beschau abgeschlossen. Das heißt nicht „wird nie geprüft“: Der Zoll kann Anmeldung und Handelsunterlagen auch nach der Überlassung im Rahmen einer nachträglichen Prüfung untersuchen. Die Unterlagen müssen deshalb während der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist geordnet vorliegen.
Der blaue Kanal ist eine Erleichterung für Unternehmen, deren Zuverlässigkeit der Zoll bestätigt hat, etwa für zugelassene Wirtschaftsbeteiligte (AEO). Ihre Anmeldungen laufen ohne Aufenthalt durch Beschau oder Dokumentenprüfung; kontrolliert wird überwiegend nach der Abfertigung. Voraussetzungen und Erleichterungen des Status regelt die einschlägige Verordnung.
Zeit und Kosten im roten Kanal steuern
- Planen Sie das Umsetzen des Containers zur Beschau und das Umschlagteam im Voraus; der Beschauplatz bedeutet eine eigene Warteschlange.
- Erstellen Sie die Packliste nach Paletten oder Packstücken; der Beamte zählt anhand dieser Liste.
- Rechnen Sie bei Produkten mit Probenahme (Chemikalien, Lebensmittel, Textilien und Ähnliches) die Analysezeit in den Zeitplan ein.
- Ist die freie Lagerzeit im Hafen knapp, prüfen Sie, die Ware in das Zolllagerverfahren zu überführen und die weiteren Schritte von dort aus zu erledigen – so läuft beim Warten keine Demurrage auf.
Die Farbe kann der Anmelder nicht bestimmen; was die Abfertigung aber meistens in die Länge zieht, sind fehlende Unterlagen und eine ungeplante Beschau. Wer die Akte vor der Registrierung mit seinem Zollagenten und dem Lagerbetreiber durchgeht, vermeidet die meisten dieser Verzögerungen.






